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Dem Preishoch fehlt die Fortsetzung
Die Molkereien in Bayern zahlten 2025 sowohl im bundesweiten als auch im langfristigen Vergleich ein überdurchschnittlich hohes Milchgeld aus. Doch nach dem Höhenflug kam Mitte des Jahres der Absturz. 2026 bringt bislang deutliche Einbußen.
Die inzwischen deutlich niedrigeren Milchpreise lassen das Jahr 2025 rückblickend in einem anderen Licht erscheinen. Nach einer langen Phase hoher Auszahlungspreise setzte im Herbst eine spürbare Korrektur ein. Dennoch wurden flächendeckend in Deutschland überdurchschnittlich hohe Milchpreise gezahlt. Diese wurden oftmals nur vom Rekordergebnis aus dem Jahr 2022 übertroffen.
Bayern hingegen schaffe dies, womit die Milchkuhhalter ein neues Allzeithoch erzielten. Der AMI-Vergleichspreis für die Kategorie „Alles außer Bio“ – also konventionell und gentechnikfrei erzeugte Milch – stieg im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um 4,2 ct/kg auf 54,50 ct/kg. Damit wurden sowohl der Bundesschnitt von 52,68 ct/kg um 1,8 ct/kg als auch das bisherige Rekordjahr 2022 um 1,9 ct/kg übertroffen.
Die Vielfalt der Milchprogramme hat sich im vergangenen Jahr weiter erhöht. Für Milch aus Erzeugung mit besonderen Anforderungen ermittelte die AMI in Bayern 23 Vergleichspreise. Knapp 27 % der Milch wurde im Rahmen spezieller Programme erzeugt.
Entsprechend unterschiedlich fielen die Auszahlungsleistungen je nach Milchstrom aus. Soweit nicht anders vermerkt, gelten alle im Folgenden genannten Preise für Milch ohne Gentechnik mit 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß sowie für eine Jahresanlieferung von 500 t (s. Kasten „So haben wir gerechnet“, S. 76).
Der AMI-Vergleichspreis für gentechnikfrei erzeugte Milch in der Standardvariante (bis Haltungsform 2) betrug in Bayern im vergangenen Jahr 53,77 ct/kg; ein Plus von 3,9 ct/kg gegenüber 2024. Ihr Anteil an der insgesamt im Allgäu erfassten Menge belief sich auf knapp 63 %.
Nach der Standardmilch hat jene aus Haltungsform 3 (HF3) die größte Bedeutung mit einem Anteil von rund 19 %. Die Molkereien, die in Bayern HF3-Milch sammeln, zahlten im Schnitt 56,16 c/kg dafür und damit 3,5 ct/kg mehr als im Vorjahr.
Darüber hinaus erfassen Molkereien Milch aus Haltungsform 4 (HF4). Dies war bei der Naabtaler Milchwerke GmbH & Co. KG Privatmolkerei Bechtel der Fall.
Vergleichspreise Bayern Nord und Bayern SüdDie bayerische Milch wird teils in Bergregionen erzeugt. Für diese Bergbauernmilch hat die AMI für 2025 insgesamt sechs Vergleichspreise berechnen können.
Diese reichen von 52,76 ct/kg bei der Allgäu Milch Käse eG bis zu 57,22 ct/kg bei der Zoll SE & Co. KG. Die Allgäu Milch Käse eG zahlt Betrieben, die noch zusätzlich Anforderungen der HF 3 erfüllen, einen Zuschlag und kommt damit auf einen Preis von 55,69 ct/kg.
Milch aus rein konventioneller Fütterung hat in Bayern kaum noch Bedeutung; nur zwei Molkereien erfassen diese Milchart.
Der Milchmarkt verlief 2025 in zwei deutlich unterschiedlichen Phasen. Zu Jahresbeginn lagen die Milcherzeugerpreise bundesweit auf außergewöhnlich hohem Niveau – in allen Bundesländern wurden mehr als 50 ct/kg ausgezahlt. Ab Herbst setzte mit rückläufigen Erlösen an den Produktmärkten eine deutliche Trendwende ein. Nach Berechnungen der AMI fiel das Bundesmittel vom Höchststand im August bis Dezember um gut 10 ct/kg auf knapp 44 ct/kg.
In der ersten Jahreshälfte blieb der Markt trotz leichter Schwächen bei einzelnen Produkten insgesamt stabil. Belastungen durch Maul- und Klauenseuche sowie die volatile Zollpolitik der USA konnten weitgehend kompensiert werden. Stützend wirkte zudem das knappe Milchaufkommen infolge der Nachwirkungen der im Sommer 2024 ausgebrochenen Blauzungenkrankheit. Ab Sommer übertrafen die umfangreichen Milchmengen die Aufnahmefähigkeit des Marktes. Hohe Auszahlungspreise, gute Grundfutterqualitäten, wenig Hitzestress bei den Kühen und technische sowie züchterische Fortschritte förderten die Erzeugung. Gleichzeitig sank die Nachfrage im In- und Ausland. Die Preise gerieten entlang der gesamten Wertschöpfungskette unter Druck, vor allem bei Butter, Milchpulver, Käse und an den Spotmärkten.
Vergleichspreise AllgäuDeutlich spiegelt sich das wechselhafte Marktgeschehen in den Auszahlungsleistungen der Molkereien wider.
Im schwierigen Marktumfeld zum Jahresende konnten sich insbesondere Molkereien im Süden Deutschlands vergleichsweise gut behaupten. Unter den zehn Unternehmen mit den deutschlandweit höchsten Vergleichspreisen für gentechnikfrei erzeugte Milch in der Standardvariante befanden sich acht bayerische Molkereien. Insofern entspricht das deutschlandweite Ranking für diese acht auch jenem in Bayern.
Müller ist bundesweit die „Nr. 1“ bei Standardmilch
Die Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG erzielte 2025 mit 54,87 ct/kg für die Standardmilch bundesweit den höchsten Vergleichspreis und führt damit auch das innerbayerische Ranking an. Am Ursprungswerk des international agierenden Konzerns in Fischach-Aretsried werden Frischmilchprodukte und Milchmischgetränke als Markenprodukte hergestellt, für die zumeist längerfristige Kontrakte gelten. Die Weihenstephan GmbH &; Co. KG, Freising, ebenfalls Teil der Müller-Gruppe, stellt Milchfrischprodukte her und lag mit 54,68 ct/kg auf Platz drei. Dazwischen nimmt die Hofmeister Käsewerk GmbH Co. & KG mit 54,76 ct/kg den Silberrang ein. Hofmeister ist auf Käse spezialisiert.
Auch auf den weiteren Plätzen folgen Unternehmen, die den Schwerpunkt in der Käseherstellung haben. Die Hochland Deutschland GmbH kam auf einen Vergleichspreis von 54,66 ct/kg für die Standardmilch. Grundlage dafür war ein solides Geschäftsergebnis im anspruchsvollen konjunkturellen Umfeld. Nach eigenen Angaben konnte die Gruppe ihren Umsatz 2025 um 7,9 % steigern und produzierte 438.000 t Käse. Das Privatunternehmen erfasst bereits seit Anfang 2023 Milch aus HF 3 und zahlte dafür im Jahr 2025 einen Preis von 57,67 ct/kg.
Käsegeschäft sichert hohe Auszahlungspreise
Der Vergleichspreis für die Standardmilch der Karwendel-Werke Huber GmbH & Co. KG von 54,62 ct/kg bewegte sich auf ähnlichem Niveau, womit das Unternehmen bundesweit auf Rang fünf kam. Die Auszahlung wurde mit dem Verkauf von Quark- und Frischkäsespezialitäten erwirtschaftet.
Dem Privatunternehmen aus Buchloe folgte die Edelweiss GmbH & Co. KG mit einem Vergleichspreis von 54,48 ct/kg bundesweit auf Platz sechs; ein weiterer Käsespezialist mit Marken wie Milkana, Bresso und Brunch. Nahezu preisgleich mit 54,45 ct/kg belegte die Käserei Champignon, Hofmeister GmbH & Co. KG, an ihrem Hauptsitz in Lauben bundesweit Rang acht.
Darüber hinaus hat die AMI noch für 27 weitere Unternehmen, die in Bayern Milch erfassen, Vergleichspreise für GVO-freie Standardmilch ermittelt. Der Freistaat ist damit nach wie vor die Region mit der höchsten Dichte an Molkereien. Im Norden der Republik ist das aufgrund zahlreicher erfolgter Fusionen nicht mehr der Fall. Mit der jüngsten Fusion der skandinavischen Arla Foods amba mit der Deutschen Milchkontor eG (DMK) ist nun eine neue Großgenossenschaft entstanden mit rund 11.200 Landwirten. Zum Vergleich: Bei der jüngsten Viehzählung im Mai 2026 wurden in Bayern 21.350 Betriebe gezählt.
Vergleichspreise AllgäuAlle betrachteten Molkereien, die in Bayern Milch erfassen, zahlten für die GVO-freie Standardmilch einen Preis oberhalb der 50-Cent-Marke aus. Je nach Produktmix waren einige stärker von den Verwerfungen am Milchmarkt im Herbst betroffen und mussten ihre monatliche Auszahlungsleistung auch im bayerischen Vergleich überdurchschnittlich zurücknehmen.
Im Gegensatz zu den oben genannten Käsespezialisten im Markengeschäft haben sie ein unterschiedliches Produktportfolio und waren damit unterschiedlich von dem sich zum Jahresende hin zuspitzendem Angebotsdruck betroffen. Beispielsweise setzt die Milchhof Albert GmbH & Co. KG auf Konsum- und Versandmilch. Gerade im Handel an den Rohstoffmärkten kam es zu einem Preiseinbruch im Herbst des vergangenen Jahres.
Der Preis für Magermilchkonzentrat sank innerhalb von fünf Monaten um gut 60 %. Spotmilch wurde um den Jahreswechsel zu symbolischen Preisen gehandelt, nur damit der Rohstoff überhaupt abgeholt wird. Die Bayernland eG mit ihren Primärgenossenschaften Domspitzmilch eG und Käserei Bayreuth eG sind breit aufgestellt, neben Frischprodukten und Butter wird jedoch vor allem Käse produziert. Das Unternehmen ist international tätig und ist damit von Entwicklungen auf den globalen Märkten betroffen.
Nach aktuellem Stand wird das Milcherzeugerpreisniveau 2026 deutlich unter dem Vorjahreswert liegen. Ursache ist das schwache ersten Halbjahr. Der seit Herbst 2025 anhaltende Preisrückgang drückte den Durchschnittspreis für konventionell und gentechnikfrei erzeugte Milch bundesweit und in Bayern unter 40 ct/kg.
Ursache waren hohe Milchmengen im In- und Ausland. Vor allem zum Jahreswechsel belastete ein ungewöhnlich große Rohstoffangebot die Spotmärkte. Die Molkereien stießen an ihre Kapazitätsgrenzen. Gleichzeitig verbesserte das niedrige Preisniveau die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Milchprodukte auf dem Weltmarkt. Davon profitierte vor allem die Eiweißseite: Die Preise für Magermilch- und Molkenpulver steigen im ersten Halbjahr, während die Fettseite schwach blieb.
Mit Beginn des Sommers verlor die Entwicklung bei Eiweißprodukten jedoch an Schwung. Auch Käse und Milchfrischprodukte setzten kaum Marktimpulse. Der Spielraum der Molkereien für höhere Auszahlungen blieb begrenzt. Für eine nachhaltige Erholung im zweiten Halbjahr wären eine stärkere Nachfrage oder geringeres Rohstoffaufkommen nötig. Dann könnte sich das Jahresmittel 2026 bundesweit bei 40 bis 43 ct/kg liegen.
Molkereien im MilchpreisvergleichQuelle: MÄRKTE & PREISE - Dr. Kerstin Keunecke, AMI









