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Aktuelles - Details

31.07.2026

Milchmarkt 2026: Strukturell gespalten

Hohe Rohstoffmengen treffen auf schwache Erzeugerpreise. Nur der Eiweißmarkt profitiert von weltweiter Nachfrage.

Ungewöhnlichen Verhältnissen prägen den deutschen Milchmarkt 2026. Trotz eines hohen Rohstoffaufkommen im In- und Ausland stabilisierten sich die Absatzmärkte zu Jahresbeginn leicht. Allerdings blieb die Erholung fragil. Nach den Preisrückgängen im Herbst 2025 startete der Markt schwach in das neue Jahr. Die Preise für nahezu alle Molkereiprodukte lagen deutlich unter Vorjahresniveau. Im Frühjahr sorgten die niedrigen Preise jedoch für Kaufimpulse und eine belebte Nachfrage.

Auf Verarbeitungsebene erholten sich die Produktpreise, während die Rohstoffmärkte zunächst unter Druck blieben. Aufgrund der hohen Milchanlieferung arbeiteten die Molkereien an der Kapazitätsgrenze. Überschussmengen konnten vielfach nur zu Niedrigpreisen vermarktet werden oder sie wurden in die Herstellung lagerfähiger Produkte, wie Butter und Magermilchpulver, gelenkt.

Der weltweite Eiweißboom ließ die Preise für Magermilch- und Molkenpulver steigen, während Butterpreise auf niedrigem Niveau verharrten. Günstige Offerten aus den USA verringerten die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exporteure. Im Inland fragten die Verbraucher mehr Butter nach, doch die Preise blieben deutlich unter dem Vorjahresniveau. Damit zeigte sich der Milchmarkt im ersten Halbjahr deutlich gespalten – zwischen Rohstoff- und Produktmärkten sowie zwischen Fett- und Eiweißsegment. Doch mit Beginn des Sommers ließ die Dynamik am Milchmarkt erneut nach.

Die Erzeugerpreise folgten zu Jahresbeginn den schwachen Produktverwertungen und setzten den seit Herbst 2025 bestehenden Abwärtstrend fort. Mit der Markterholung im Frühjahr erhöhten einige Molkereien ihre Auszahlungspreise im April und Mai. Im Bundesmittel wurde die Marke von 40 ct/kg jedoch weiterhin nicht überschritten. Für Juni ergibt sich ein uneinheitliches Bild: Einzelne Molkereien erhöhten die Preise, andere nahmen Abschläge vor, die Mehrheit hielt die Auszahlung stabil.

Auch für die Sommermonate deutet sich kaum Bewegung an. Darauf verweist die Leitverwertung aus Butter und Magermilchpulver. Der Kieler Rohstoffwert fiel nach seinem bisherigen Jahreshoch von 38,0 ct/kg im April auf 35,7 ct/kg im Juni zurück. Für ein Jahresmittel von 40 bis 43 ct/kg wäre in der zweiten Jahreshälfte eine deutliche Preisrallye erforderlich – getragen von sinkenden Milchmengen und einer stärkeren Nachfrage.

Die Milchanlieferung in Deutschland lag im bisherigen Jahresverlauf auf ungewöhnlich hohem Niveau. Die Vorjahresmengen wurden durchgängig deutlich übertroffen. Von Januar bis April 2026 betrug das Plus 6,7 %. Gründe sind höhere Kuhzahlen, eine gute Grundfutterqualität aus der Vorjahresernte sowie Leistungssteigerungen durch Zuchtfortschritt und Technik. Die niedrigen Erzeugerpreise unterhalb von 40 ct/kg zeigten bislang kaum bremsende Wirkung auf die Milcherzeugung.

Eine Zäsur brachte die Hitzewelle Ende Juni und Anfang Juli. Temperaturen von über 40 Grad und tropische Nächte führten zu deutlichen Einbrüchen bei Milchleistung und Anlieferung. Im Zuge der folgenden kühleren Tage erholten sich die Mengen laut Molkereien überraschend schnell. Für die kommenden Wochen bleibt die Witterung entscheidend – sowohl für die Milchanlieferung als auch für die Grundfutterversorgung, die regional unterschiedlich ausfällt. Tendenziell werden die Qualitäten im Norden besser als im Süden eingeschätzt.

Aufgrund der hohen Mengen in der ersten Jahreshälfte wird die Milchmenge in Deutschland im Gesamtjahr 2026 über dem Vorjahresniveau liegen.

Im Herbst werden die Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahr zwar abnehmen, was jedoch auf das hohe Ausgangsniveau zurückzuführen ist. Bei einem entsprechenden Witterungsverlauf dürfte die Vorjahreslinie jedoch unterschritten werden.

Sinkende Margen belasten Betriebe

Die gesunkenen Margen auf den Milchviehbetrieben sprechen ebenfalls für rückläufige Mengen im Herbst.

Nach einer Modellrechnung der AMI hat sich die Marge aus Erlösen und variablen Kosten im bisherigen Verlauf von 2026 gegenüber dem Vorjahr von gut 20 ct/kg auf knapp 10 ct/kg etwa halbiert. Sinkende Margen beschleunigen in der Regel den Strukturwandel.

Die Viehzählung im Mai zeigt dies bereits teilweise: Vor allem kleinere Betriebe gaben die Produktion auf, während die Zahl größerer Betriebe zunahm. Die durchschnittliche Herdengröße stieg auf 78 Tiere.

Auch weltweit war das Rohstoffaufkommen in den ersten fünf Monaten 2026 hoch. In allen wichtigen Exportregionen wurde mehr Milch erzeugt als im Vorjahreszeitraum. In der EU erfassten die Molkereien von Januar bis April rund 50,7 Mio. t Milch (+4,1 % ggü. Vorjahreszeitraum). Die EU-Kommission erwartet für 2026 ein Wachstum der Milchanlieferung um 1,7 % auf rund 151 Mio. t.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das globale Wachstum jedoch abschwächen. Im Vereinigten Königreich wird mit rückläufigen Mengen gerechnet. Dagegen erwartet das USDA für die USA sowie die FAO für Neuseeland und Argentinien weiterhin steigende Milchmengen. Für die weitere Preisentwicklung wird daher entscheidend sein, inwieweit der Markt die zusätzlichen Mengen aufnehmen kann.

Quelle: MÄRKTE & PREISE - Dr. Kerstin Keunecke, AMI

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